Ich weiss gar nicht, wie und wo ich anfangen soll… - es waren einfach so viele unglaublich tolle Eindrücke, schöne Momente und Emotionen!
Ich bin nach Klagenfurt gereist und wusste nicht, ob ich diese Langdistanz mit dem Marathon am Schluss wirklich schaffen werde. Auf die 3.8 km lange Schwimmstrecke freute ich mich sehr und nach
einem Probeschwimmen im Wörthersee am Freitag hatte ich ein sehr gutes Gefühl in dem kristallklaren Wasser mit ca. 21 Grad.
Vor der Radstrecke mit ihren 180 km und 1500 Hm hatte ich schon etwas mehr Respekt. Nicht unbedingt wegen den Kilometern und Höhenmetern sondern eher wegen den Abfahrten oder einem technischen
Defekt. Ich hatte mir noch überlegt, die Radstrecke mit dem Auto abzufahren, habe mich dann aber wegen des vielen Verkehrs dagegen entschieden und bin am Samstagvormittag nur für eine Stunde
locker und flach am See entlang geradelt, was ungefähr Kilometer 90-110 der Wettkampfstrecke bedeutete. Die Laufstrecke hab ich eigentlich so gut wie ausgeblendet – vielleicht auch deswegen, weil
das Wort Marathon oder 42,2 km so gewaltig klingen. Ich wollte einfach eine gute Schwimm- und Radzeit und das Laufen blieb eine Wundertüte ohne Vorstellungen und Erwartungen.
Nach einer doch eher unruhigen Nacht startete der Tag um 3:03.
Beim selbstgemachten Frühstück auf dem Zimmer wurde nebenher noch die Wettkampfverpflegung parat gemacht und nochmal die Listen gechecked, ob alles für die Wechselbeutel beisammen war. Zum ersten
Mal in einem Wettkampf nutzte ich auch die «Special Needs Beutel» für die Rad- und Laufstrecke, mit welchen man sich an einer Stelle auf der jeweiligen Strecke selbst verpflegen konnte. Da
Temperaturen von fast 30 Grad vorhergesagt waren, bedeutete dies schon viel trinken beim Radfahren und für`s Laufen hatte ich noch zusätzlich Blasenpflaster, Tape und Ersatzsocken drin – man
weiss ja nie…
Nach einem grossen Kaffee unten im Hotel ging es dann kurz vor 5 Uhr in die Wechselzone zuerst zum Triathlonrad, dann zu den Wechselbeuteln und schliesslich zum Ausgang, um die «Special Needs
Beutel» abzugeben. Wieder im Hotel, rein in Neopren und auf zum Schwimmstart. Dort fiel dann um 6:40 der Startschuss für alle Age-Group-Athleten. Alle 5 Sekunden wurden 4 Triathleten ins Wasser
gelassen, was sich bei fast 3000 Teilnehmern schon mal ein bisschen hinziehen kann. Da ich wie immer ohne Uhr unterwegs war, hatte ich keine Ahnung, wann meine persönliche Startzeit war.
Die ersten 1700 Meter liefen gefühlt sehr gut. Ich bin gleich in einen guten Rhythmus gekommen und hatte so gut wie freie Bahn, da ich etwas weiter rechts geschwommen bin. Nach der zweiten 90 Grad Kurve war es dann der absolute Blindflug in die aufgehende Sonne hinein. Ich konnte mich aber ganz gut an den Silhouetten der Baumkronen am Ufer orientieren, war aber trotzdem froh, als ich endlich den Lendkanal für den letzten Kilometer erreicht hatte. Dort konnte ich noch einmal richtig Gas geben, noch einige Athleten überholen und wusste: heute ist ein guter Tag!
Der Weg vom Schwimmausstieg in die Wechselzone war relativ lang. Dort angekommen ging der Wechsel ganz gut – einfach schön in Ruhe und mit Konzentration auf die bevorstehende Radstrecke. Auch auf dem Rad merkte ich ziemlich schnell, dass ich «sehr gute Beine» hatte und musste meine Euphorie ein bisschen bremsen, damit ich nicht gleich am Anfang überpace. Schliesslich waren es noch ein paar Kilometer bis ins Ziel…
Alles in allem lief es wie geschmiert. Klar gab es auch Momente, in welchen es sich nicht so gut angefühlt hat – vor allem die Anstiege so ab Kilometer 120 gingen nicht mehr ganz so leicht zu
treten wie noch am Anfang der Radstrecke. Aber mit einem kleinen Tratsch mit den netten Volunteers an der 5ten und 6ten Verpflegungsstation ging es auch danach wieder besser und in den flacheren
Passagen konnte ich die ganze Zeit nach wie vor in der Aero-Position bleiben.
Vor allem war ich sehr froh, dass meine Verpflegungsstrategie aufging, was ich davor schlecht einschätzen konnte. Wieder zurück in der Wechselzone hab ich zum ersten Mal auf die Uhr geschaut,
welche im Wechselbeutel war und hab gesehen, dass ich so ziemlich genau in meinem persönlichen Wunsch-Zeitplan sein musste und nach 8 Stunden auf die Laufstrecke ging.
Und nun «nur noch» den Marathon...
Der Plan war, dass ich nach der Wechselzone erstmal mit gehen anfange, um mich langsam an die Hitze und die andere Bewegung zu gewöhnen. Aber irgendwie lief es sich ganz gut und so bin ich die
ersten 2 Kilometer langsam bis zur ersten Verpflegungsstation losgelaufen. Nach dem ToiToi-Stopp dort war eins auf jeden Fall klar und zwar, dass das meine erste und letzte Pippi-Pause
bis ins Ziel war – es war absolut WIDERLICH da drin! Also schnell weiter. Das «schnell» musste ich aber genauso schnell wieder begraben und mir eine andere Strategie zurechtlegen, welche hiess:
im Schatten rennen und in der Sonne mehr gehen – es war echt mega heiss, kaum Wind und immer wieder sah man Athleten mit Krämpfen oder Magenproblemen.
Ich nahm es «gemütlich» und verbrachte unter anderem Zeit mit Kopfrechnen - z.B.: bei Kilometer 7 war eine Stunde vorbei –> 42 : 7 = 6 -> also brauche ich gut 6 Stunden für den Marathon und
8 Stunden hatte ich für`s schwimmen und radfahren gebraucht -> 8 Stunden + 6 Stunden = 14 Stunden –> 3 Stunden unter dem Cut-off -> auch wenn es noch schlecht laufen sollte,
ich kann das schaffen!
Und je länger es ging und je näher ich dem Ziel kam und wusste, dass ich es schaffen werde, desto grösser wurde mein grinsen im Gesicht.
Zwar wurden zum Ende hin die Gehpausen und die Unterhaltungen mit den freundlichen Helfern an den Verpflegungsstellen immer länger aber was soll`s. Mir spielte es keine Rolle, ob ich nun eine halbe Stunde früher oder später ins Ziel komme. Es ging nicht darum eine Bestzeit aufzustellen, sondern die beste Zeit und Spass zu haben! Was bleiben sollte, sind die schönen Erinnerungen mit den vielen netten Menschen an der Strecke, die grandiose Stimmung beim Zieleinlauf und der Moment als die Stimme durch das Mikro sagt: Carmen, you are an IRONMAN!
Somit endet mit diesem Blogeintrag heute am 07.07.2023 die 88-wöchige Reise zu meinem ersten und letzten Langdistanz Triathlon vor meinem 50sten Geburtstag. Doch damit sich der Kreis schliesst, geht die Reise nochmal ein Jahr weiter und nach der Langdistanz in Klagenfurt ist vor der Langdistanz in Roth!
Am 07.07.2024 werde ich meinen 50sten Geburtstag vom 08.08.2023 auf der Ziellinie in Roth mit (hoffentlich) mindestens genauso vielen positiven Emotionen nachfeiern.

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